Stoffwechselstörung Hufrehe

Wenn der Alptraum Hufrehe plötzlich Realität ist und sich die große Überforderung einstellt, heißt es: Kühlen Kopf bewahren und das Pferd bestmöglich versorgen. Ich schreibe über dieses Thema leider aus meiner eigenen Erfahrung heraus. Wie du vielleicht weißt hatte Sissy vor ca. 10 Jahren eine Hufrehe hohen Grades. Der Tierarzt sah kein Licht mehr am Ende des Tunnels, aber gemeinsam mit unserem Schmied hatten wir es damals noch geschafft. Danach wurde streng auf die Fütterung geachtet und die Sache gut in den Griff bekommen. Dann hatten wir lange Ruhe von diesem Alptraum, bis er in Form von einer Belastungsrehe wieder am Bildschirm erschien. Wer ein Rehepferd besitzt weiß, dass einem diese Angst immer ein wenig im Nacken sitzt.

Wir haben für dich einen Blick ins Buch Stoffwechselstrategie geworfen und das Thema Hufrehe herausgearbeitet. Foto: Haflinger Austria

Wir haben für dich einen Blick ins Buch Stoffwechselstrategie geworfen und das Thema Hufrehe herausgearbeitet. Foto: Haflinger Austria

Seither ist mir, wie du durch die Themen in meinem Blog merkst, Fütterung, Hufe und Haltung eine echte Herzensangelegenheit. Ich habe für euch im Buch „Stoffwechselstrategie. Das Konzept für gesunde Pferde.“ (THP Marion Schwaller-Barina & Dr. med. vet. Evi Koeppl) von Equusvitalis speziell zum Thema Hufrehe nachgelesen. Langsam wird ja wieder Frühling, das frische Gras verleitet, die Pferde zu früh und zu lang auf die Weide zu lassen. Die Tage sind sonnig und die Nächte kalt. Hier ist besondere Vorsicht geboten!

„Das Pferd hängt eigentlich am Huf. Tausende von Lamellen der Huflederhaut greifen in die Hornlamellen der Hufinnenseite und bilden eine stabile Aufhängung von einer Gesamtfläche von ca. 2 bis 4 Quadratmetern Fläche pro Huf.“ (THP Marion Schwaller-Barina & Dr. med. vet. Evi Koeppl)

Dies beschreibt anschaulich, was sich eigentlich in so einem Pferdehuf abspielt. Kaum vorstellbar, wenn man den Huf von außen betrachtet. Er wirkt so stabil und fest von außen, dass man sich mit bloßen Auge kaum vorstellen kann, wie es innen aussieht und wie durchdacht dieses Wunderwerk der Natur eigentlich ist. In einem Hufkurs konnte ich bereits einige Hufe von innen sehen (Querschnitt) und dem Thema Huf auf den Grund gehen. Aber jetzt zurück zur Rehe: Durch die Entzündung der Lederhaut kommt es zu Störungen in der Mikrozirkulation der Blutkapillaren innerhalb der Lederhaut, bis hin zum Austritt von Gewebsflüssigkeit – zum Ödem, so die Autoren dieses Buches. Die Hornkapsel verhindert dieses Austreten durch ihre Festigkeit und die Verbindung zwischen Leder- und Hornlamellen wird auseinander gedrückt. Es kommt zu unvorstellbaren Schmerzen für das Pferd.

Schau genau hin und steh deinem Pferd mit einem kühlen Kopf zur Seite. Wenn du Verdacht hast, auf jeden Fall SOFORT den Tierarzt rufen und KÜHLEN. Foto: HaflingerAustria

Schau genau hin und steh deinem Pferd mit einem kühlen Kopf zur Seite. Wenn du Verdacht hast, auf jeden Fall SOFORT den Tierarzt rufen und KÜHLEN. Foto: HaflingerAustria

Akute Hufrehe? Welche Symptome treten auf?

  • Das Pferd hat Schmerzen (Schmerzgesicht, wirkt neben sich)
  • erhöhte Temperatur (Fieber)
  • Schweißausbrüche
  • beschleunigte Atmung
  • erhöhter Puls
  • typische Rehestellung (Vorderbeine werden weit nach vorne gestellt, die Hinterbeine unter den Bauch gezogen)
  • mangelnde Bewegungslust (Das Pferd will sich nicht bewegen)
  • oft ist das Aufheben eines Beines nicht mehr möglich

Ich persönlich taste auch manchmal einfach die Hufe ab. So als persönlicher Check. Ich achte auf die Temperatur der Hufe und greife, ob es an der Fessel pulsiert. Aber das wichtigste ist einfach, das Wohlbefinden des Pferdes stets zu beobachten. Geht das Pferd fühlig oder verhält es sich anders als sonst? Dann lieber ganz genau hinschauen.

Ja, liebe Sissy, hier hast du es schwarz auf weiß. Genau deshalb bekommst du keine unnötigen Leckerchen und musst die Fressbremse auf der Wiese tragen. Foto: Haflinger Austria

Ja, liebe Sissy, hier hast du es schwarz auf weiß. Genau deshalb bekommst du keine unnötigen Leckerchen und musst die Fressbremse auf der Wiese tragen. Foto: Haflinger Austria

Welche Ursachen liegen einer akuten Hufrehe zu Grunde?

  • Die Fütterungsrehe/Stoffwechselrehe entsteht durch schnelle und übermäßige Aufnahme von Kohlehydraten (Getreide, Fruktane). Das ist zum Beispiel der Fall bei der Aufnahme von zu viel frischem Gras. Wenn das Pferd plötzlich in Rehestellung auf der Wiese steht… 🙁  Daher ist es unter anderem so wichtig, das Pferd langsam anzuweiden und bei gestressten und frischen Wiesen besonders aufzupassen. Hier ist höchste Vorsicht geboten. Besonders gefährlich ist auch die typische Kuh-Wiese, die im Laufe der Industrialisierung vermehrt angesät wurde. Diese produziert besonders viele Fruktane und ist daher höchst gefährlich für rehegefährdete Pferde.
  • Belastungsrehe entsteht durch stundenlanges Laufen, vor allem auf steinigen Wegen. Bei uns entstand die Belastungsrehe nach der Hufbearbeitung durch die normale Bewegung im Offenstall. Im Zweifelsfall gebe ich jetzt auch im Offenstall mal Hufschuhe drauf, wobei das keine Dauerlösung ist und wirklich nur tageweise möglich ist.
  • Toxische Rehe entsteht durch die Aufnahme von Giftstoffen, wie z.B. giftigen Pflanzen oder der langfristigen Verabreichung von Kortison. Hufrehe ist auch eine gefürchtete Folgeerkrankung des Equinen Cushing-Syndroms. Außerdem gibt es noch die Geburtsrehe.

„Wenn ein Hufreheschub länger als 48 Stunden andauert spricht man bereits von chronischer Rehe.“ (THP Marion Schwaller-Barina & Dr. med. vet. Evi Koeppl)

Die chronische Hufrehe kennzeichnet eine fortschreitende Auflockerung der Verbindung zwischen Huflederhaut und Hornkapsel. Es kommt zur Rotation der Hufbeinspitze nach unten, die korrekte Anbindung geht dabei quasi verloren. Der Grad der Rotation wird in einem Röntgenverfahren festgestellt. Rechtzeitig erkannt, kann man hier noch die Kurve kratzen und durch die richtige Versorgung diesen Vorgang aufhalten bzw. auf längere Zeit sogar reversibel machen.

Was tun bei Verdacht auf Hufrehe?

  • Kühlen, kühlen, kühlen und SOFORT den Tierarzt rufen. Hufrehe ist ein absoluter NOTFALL.
  • Als Erste-Hilfe-Maßnahme wird gekühlt! Hierfür mit kalten Wasser die Hufe in einem Eimer stellen oder alternativ mit dem Wasserschlauch abspritzen. Das Hufbad hat den Vorteil, dass der Huf auch von der Sohle her gekühlt wird und die Kühlung effektiver ist. Wenn du einen Bach in der Nähe hast, wär das natürlich auch eine tolle Möglichkeit zum Kühlen. In diesem Buch leider nicht erwähnt: Die Kühlung mit Eis – zum Beispiel mit Hilfe eines Socken. Diese Form der Kühlung ist laut aktuellen Studien die effektivste. Aber im Notfall hat man auch selten Eis zur Hand.
  • Jeglichen Stress vermeiden
  • Umstellung der Fütterung in eine getreidefreie Ernährung und der Vermeidung von stärke- und zuckerhaltigen Futtermitteln (Achtung auch bei Gras)
  • Auf ein ausgeglichenes Gleichgewicht von Vitaminen und Mineralstoffen achten. Ich stell mir den Stoffwechsel immer wie ein Uhrwerk vor, das aus vielen kleinen Rädern besteht. Nur wenn alle optimal aufgefüllt sind, läuft das Uhrwerk. Wenn ein Rädchen steckt, steckt das ganze Werk. Deshalb halte ich nicht viel davon, einzelne Nährstoffe zu füttern. Es geht doch immer ums Rundum-Paket.
  • Auch Chrom hat einen positiven Einfluss auf das Krankheitsgeschehen

Ich würde auch unbedingt einen guten Hufpfleger zu Rate ziehen! 

Dies ist alles nur ein kleiner Auszug aus diesem umfassenden und umfangreichen Buch, das wirklich mega interessant ist. Ich finde jeder soll es gelesen haben, um Stoffwechselvorgänge im Pferd zu verstehen, welche Auswirkung Stress und Fütterung, sowie Bewegung darauf haben. Ein sehr komplexes Werk mit einem Ausflug in die biomechanischen Grundlagen für Stoffwechselstörungen einzelner Stoffwechselerkrankungen (Kotwasser, EMS, Hufrehe, ECS uvm.), genetisch bedingter Stoffwechselstörungen und Fütterung.

Quelle: Die Stoffwechselstrategie. Das Konzept für gesunde Pferde. Buch von THP Marion Schwaller-Barina & Dr. med. vet. Eva Koeppl

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