Erlebnisbericht: Wanderritt ins Burgenland

50 Kilometer, 2 Bundesländer, 11 Reiter und 6 Stunden im Sattel. Ich sitze hier mit hochgelagerten Füßen und erhole mich gerade vom Wanderritt ins Burgenland mit meinem Leih-Hafi Nico. Mein Kopf ist voll mit Erlebnissen, die nach und nach zu Erinnerungen werden. Wenn man so viel erlebt hat, braucht es ein wenig, um alles zu verarbeiten. Monatelang hab ich mich irrsinnig auf diesen Ritt gefreut und weißt du was? Fast wäre es mir dann kurzfristig doch nicht möglich gewesen, mitzureiten. Warum? Das erzähle ich dir jetzt alles der Reihe nach.

Das Abenteuer beginnt dort, wo Pläne enden. Grenzen enden dort, wo der Muskelkater beginnt. Mein Fuß kam mir fast dazwischen. Foto: Haflinger Austria

Das Abenteuer beginnt dort, wo Pläne enden. Grenzen enden dort, wo der Muskelkater beginnt. Mein Fuß kam mir fast dazwischen. Foto: Haflinger Austria

Am Freitag habe ich meine Sachen gepackt (hier geht’s zum Bericht darüber) und mich auf den Ritt vorbereitet. Ich wollte mit Leih-Pferd Nico am Wanderritt teilnehmen, um meiner 21jährigen Haflingerstute Sissy keinen unnötigen Strapazen auszusetzen. Es plagte mich am Freitag Abend das schlechte Gewissen – was natürlich völlig unsinnig war, denn ich habe Sissy mit meiner Entscheidung entlastet und war ja nur zwei Tage weg. Ich schlüpfte also in meine Turnschuhe (merk dir dieses Detail), obwohl ich sonst immer sichere, feste Stallschuhe trage. Unbedingt wollte ich meine Sissy noch putzen, und ihr ein bisschen was zu fressen geben. Es war alles sehr stressig. Am Weg zu ihr erledigte ich noch die letzten Besorgungen für den bevorstehenden Wanderritt. Dann hetzte ich raus und putzte sie in Ruhe.

Beim Auskratzen der Hufe fielen mir die langen Eckstreben ins Auge. So wollte ich sie nicht verlassen. Also griff ich wie so oft schnell zu Hufmesser und -raspel und nahm das Problem in Angriff. Bei den Vorderhufen begonnen, kam ich zum linken Hinterhuf. Sissy wurde kurz unruhig, der Huf rutschte mir aus der Hand und landete auf meiner Zehenspitze. Mir wurde schwindlig, ich lief zur Wand, um mich dort festzuhalten. Die schockierten Stallkolleginnen wiesen mich darauf hin, dass ich mich hinsetzen und den Schuh ausziehen soll.

„Nichts passiert!“

Ich tat es ab und wurde dann doch vernünftig, setzte mich hin und zog meinen Schuh aus. Die große Zehe war blutüberströmt. Beim Anblick verlor ich kurz das Bewusstsein. Meine lieben Stallkolleginnen haben mich erstversorgt und nach Hause zu meinen Freund gebracht. Wir ließen es abklären. Gott sei Dank – nichts gebrochen. Die Wunde machte mir aber Sorgen. Der Wanderritt stand für mich auf der Kippe. Dennoch stellte ich mir den Wecker wie geplant auf 5 Uhr und hoffte, dass ich aufwache und plötzlich alles gut ist.

„Ich hoffe, dass ich morgen aufwache und einfach alles gut ist. Drückt mir die Daumen!“, bat ich mein Umfeld.

Soll ich oder soll ich nicht? Immerhin war alles schon gepackt und die Vorfreude riesig. Foto: Haflinger Austria

Soll ich oder soll ich nicht? Immerhin war alles schon gepackt und die Vorfreude riesig. Foto: Haflinger Austria

Am Samstag wachte ich schon vor dem Wecker auf, stellte fest, dass ich keine Schmerzen hatte und ging ins Bad, um meine Wunde zu versorgen. Beim Anblick wurde mir erneut leicht übel. Ich versorgte die Wunde, stellte fest, dass sie noch immer leicht blutete und erkundigte mich beim Ärzte-Notdienst telefonisch, ob ich mir deshalb Sorgen machen muss. Da ich keine Schmerzen hatte und die Wunde nur noch leicht blutete, hab ich mich dazu entschieden, am Ritt teilzunehmen… Es zumindest zu versuchen! Zu lange hatte ich mich darauf gefreut.

„Nicht die intelligenteste Entscheidung, aber vielleicht die Beste meines Lebens.“

Wir machen uns trotz Turbulenzen vom Vortag auf den Weg. Brutus und Indy sind verladen. Die Hänger-Kamera zeigt sie seelenruhig fressen und es kann losgehen. Foto: Haflinger Austria

Wir machen uns trotz Turbulenzen vom Vortag auf den Weg. Brutus und Indy sind verladen. Die Hänger-Kamera zeigt sie seelenruhig fressen und es kann losgehen. Foto: Haflinger Austria

„Wenn ich in die Schuhe komme, reite ich mit!“

Nach diesem Motto trat ich den Wanderritt an, schlüpfte in die neuen Schuhe vom RidersDeal Outlet. Zum Glück waren sie groß geschnitten und gaben mir viel Halt. Ohne diese Schuhe hätte ich unmöglich am Ritt teilnehmen können. Also fuhr mich mein Freund um 05.45 Uhr in den Stall, wo mich die anderen schon erwarteten. Ich packte meine restlichen Sachen und schonte mich noch ein wenig, verabschiedete mich von meinem besorgten und leicht kopfschüttelnden Freund, schaute den anderen beim Verladen zu und stieg ins Auto. Die Pferde stiegen brav in den Hänger und mir machten uns auf den Weg zum Wanderreit-Hof in Söchau – mit einem kurzen Stop bei der Apotheke und zwei kurzen Stops wegen dem süßen Hafi Brutus, der sich zweimal während der Hängerfahrt das Halfter abstreifte.

In Söchau angekommen werden die Pferde gesattelt und für den Ritt vorbereitet. Foto: Haflinger Austria

In Söchau angekommen werden die Pferde gesattelt und für den Ritt vorbereitet. Foto: Haflinger Austria

Angekommen! Gegen 08.00 Uhr kamen wir in Söchau an, die Pferde „checkten“ ein und bezogen ihre Paddocks. Wir verstauten unser Gepäck, putzten und sattelten die Pferde und ritten dann etwas später als geplant um ca. 09.30 Uhr los. Mit Wanderreitführer und insgesamt 11 Reitern starteten wir ins Abenteuer und ritten Richtung Burgenland. Die Pferde kannten sich nur teilweise untereinander und es waren die unterschiedlichsten Rassen vertreten – von Vollblütern, über Warmblütern, einem Noriker und zwei Haflingern. Auch die Reiter waren zusammengewürfelt. Es hieß also ein gemeinsames Tempo und eine Einheit zu bilden.

Wir hatten alle Positionen durch, starteten im hinteren Drittel, waren mal ganz vorne und fühlten uns dann wieder im hinteren Bereich wohl. Foto: Danke Anita

Wir hatten alle Positionen durch, starteten im hinteren Drittel, waren mal ganz vorne und fühlten uns dann wieder im hinteren Bereich wohl. Foto: Danke Anita

Jeder versuchte den richtigen Platz in der „Reihe“ zu finden, um möglichst stressfrei vorwärts zu kommen. Ich startete mit Nico im hinteren Drittel. Da ich ihn anfangs sehr viel zurück halten musste und er sehr motiviert war, entschieden drei Mädels und ich, denen es endlich ging, die Pferde nach einiger Zeit auf einem schönen geraden Feldweg laufen zu lassen. Wir galoppierten also zu viert vor, während der Rest der Gruppe in ihrem Tempo weiter ging. Danach warteten wir wieder zusammen und ritten gemeinsam weiter. Lange Zeit suchte ich mit Nico den richtigen Platz für uns, da er ohne weiteres auch mit der führenden Araber-Stute mithalten konnte. Letzten Endes wurde ich im hinteren Bereich mit ihm glücklich, da er dort einfach entspannter war.

„Lange haben wir den richtigen Platz für uns gesucht. Der sportliche Nico konnte ohne Probleme mit den Großen mithalten. Entspannter für mich war’s dann im hinteren Drittel, dort wurden wir glücklich.“

Der Abstand wird größer. Wir teilen uns in zwei Gruppen. Foto: Haflinger Austria

Der Abstand wird größer. Wir teilen uns in zwei Gruppen. Foto: Haflinger Austria

Nach einem Drittel der ersten Strecke zeigte sich, dass ein Pferd schon müde war. Wir teilten die Gruppe auf. In eine schnellere und eine langsamere Gruppe, damit sich das Pferd erholen konnte. Das war die beste Lösung für Pferd und Reiter. Ich blieb mit Nico bei der schnelleren Gruppe, da er total motiviert war und keine Müdigkeit zeigte. Wir trabten und galoppierten der Lafnitz entlang und ich genoss die langen Galoppaden, bevor wir wieder auf die Asphaltwege der Dörfer gelangten. Schnell zeigte sich, dass die Pferde alle gut harmonierten und durchwegs brav, motiviert und unerschrocken waren. Alle Reiter hatten ihre Pferde gut unter Kontrolle und es gab keinerlei ungünstige Vorfälle wie durchgehende Pferde, oder ähnliches.

„Beim Hinreiten blieb ich mit Nico in der schnelleren Gruppe, wo wir sehr viel und lange galoppiert und getrabt sind – bis wir in die Dörfer gelangten.“

Burgenland erreicht es erwarten uns lange Galoppaden,idyllische Dörfer und eine freundliche Rast-Station. Foto: Haflinger Austria

Burgenland erreicht! Es erwarten uns lange Galoppaden,idyllische Dörfer und eine freundliche Rast-Station. Foto: Haflinger Austria

Im Burgenland angekommen erwarteten uns wunderschöne Wege und idyllische Dörfer. Nach ca. 25 Kilometern und ca. drei Stunden im Sattel erreichten wir unsere Raststation. Es war alles organisiert und die Pferde wurden auf einem Hof gut untergebracht, während die Reiter in einem Gasthof einkehrten. Da der Gasthof ca. 10 Minuten zu Fuß vom Pferdehof entfernt war, wurde ich sogar mit dem Auto hingebracht, da ich mit meinem verletzten Fuß nicht so schnell gehen konnte. Beim Reiten hatte ich zum Glück keinerlei Schmerzen oder Beschwerden.

Nico und ich haben uns in der Pause gestärkt und sind bereit für den Ritt zurück in unser Lager. Foto: Haflinger Austria

Nico und ich haben uns in der Pause gestärkt und sind bereit für den Ritt zurück in unser Lager. Foto: Haflinger Austria

Nach der Pause machten wir uns auf den Heimweg Richtung Söchau. Diesmal entschied ich mich für die langsamere Gruppe, um einerseits mehr von der Landschaft zu sehen, entspannter zu reiten und andererseits auch mal mit den anderen mitreiten zu können. Dabei entging mir leider eine Rast an einer wunderschönen Bach-Stelle, die die andere Gruppe einlegte. Dafür erlebte ich, wie schön es ist, im entspannten Schritt im Sattel zu sitzen und die Natur zu genießen. Hier bin ich mehr zur Ruhe gekommen, konnte meine Gedanken schweifen lassen und die schöne Landschaft genießen. Besonders hier hab ich manchmal an meine liebste Sissy gedacht, mit der ich schon so viel erlebt habe. Es wäre schön gewesen, diesen Ritt mit ihr gemeinsam zu erleben, aber Nico war ein toller Begleiter. Er hat mir gezeigt, dass ich mich auch auf ihn wohlfühlen kann und ihm vertrauen kann.

„Hier konnte ich die Seele baumeln lassen, mit Anna und Sabine plaudern und die Landschaft genießen. Manchmal dachte ich an meine Sissy, aber Nico riss mich mit seiner lieben Art dann zurück in die Gegenwart. Auf diesem Pferd konnte ich jeden Moment genießen.“

Auch in der langsameren Gruppe sind wir natürlich getrabt und galoppiert, denn die traumhaften Wege laden dazu ein. Es zeigte sich auch hier eine harmonische Gruppe mit verlässlichen Pferden und Reitern. Gegen Ende trafen die zwei Gruppen zufällig aufeinander und so konnten wir alle gemeinsam in unser Lager einreiten.

Super endlich wieder Hafi-Verstärkung von Anna und Brutus. Zu Hause sind wir ja ein eingespieltes Ausreit-Team. Foto: Haflinger Austria

Super endlich wieder Hafi-Verstärkung von Anna und Brutus. Zu Hause sind wir ja ein eingespieltes Ausreit-Team. Foto: Haflinger Austria

Nach insgesamt 50 Kilometern versorgten wir die Pferde, spritzten ihre Beine ab und gaben ihnen ausreichend zu fressen. Das hatten sie sich verdient. Nachdem die Pferde versorgt waren, kamen auch wir zur Ruhe, zogen uns um, desinfizierten meine Wunde, wechselten meinen Verband und trafen uns zu guter Letzt beim gemütlichen Lagerfeuer wieder. Dort gab es Kessel-Gulasch und eine tolle Stimmung mit Country-Musik. Genau so wie man es sich vorstellt. Wir ließen den Abend ausklingen und sanken erschöpft in unsere Schlafplätze. Denn: Am nächsten Tag standen weitere drei Stunden im Sattel und ein Ritt Richtung Riegersburg am Programm.

Auf den Weg zu neuen Abenteuern steht für uns das Wohl der Pferde immer im Vordergrund. An Tag zwei wollen wir sie nicht überfordern. Foto: Danke Anita

Auf den Weg zu neuen Abenteuern steht für uns das Wohl der Pferde immer im Vordergrund. An Tag zwei wollen wir sie nicht überfordern. Foto: Danke Anita

Um 07.30 Uhr ertönte der Wecker, ich versorgte erneut meine Wunde, wir frühstückten gemeinsam genüsslich und begannen, die Pferde zu putzen. Zum Wohle der Pferde entschlossen wir uns gegen einen erneuten Ritt an Tag 2. Die fitten Pferde machten sich  in einer kleinen Gruppe von vier Pferd-Reiter-Paaren auf den Weg Richtung Riegersburg. Ich überließ Nico einer neuen Reiterin, die extra angereist ist und so auf einem motivierten und fitten Pferd reiten konnte, während den anderen ihre Pause gegönnt war. So wurde aus dem 2-Tagesritt ein intensiver 1-Tagesritt mit Übernachtung und gemütlichem Ausklang am Sonntag.

Ich bin stolz auf Anna und ihren fleißigen Brutus, Sabine und ihren coolen Indy, Anita und ihren gutmütigen Chester und Robert und seinen vertrauensvollen Jacky - und natürlich alle anderen, die uns auf unserem Weg begleitet haben. Foto: Haflinger Austria

Ich bin stolz auf Anna und ihren fleißigen Brutus, Sabine und ihren coolen Indy, Anita und ihren gutmütigen Chester und Robert und seinen vertrauensvollen Jacky – und natürlich alle anderen, die uns auf unserem Weg begleitet haben. Foto: Haflinger Austria

Ich bin besonders stolz auf mein Leih-Pferd Nico, der sich wacker geschlagen hat und mich unermüdlich und sicher ans Ziel gebracht hat. Außerdem bin ich unendlich stolz auf meine lieben Stallkollegen und ihre Pferde, die diesen intensiven Wanderritt so toll gemeistert haben.

Ohne eure Unterstützung und Rücksicht wär mir dieses Abenteuer nicht möglich gewesen. Danke an alle für den tollen Zusammenhalt! Foto: Haflinger Austria

Ohne eure Unterstützung und Rücksicht wär mir dieses Abenteuer nicht möglich gewesen. Danke an alle für den tollen Zusammenhalt! Foto: Haflinger Austria

„Ohne euch wäre dieses Erlebnis für mich nicht möglich gewesen!“

Großer Dank auch an alle, die mir am Freitag Abend beigestanden, mich „verarztet“ und mir ohne Erfolg ins Gewissen geredet haben. Mein Dickschädel hat wieder mal gesiegt und ich bereue es keine Sekunde. Danke an meinen lieben Freund, der mir kopfschüttelnd, aber stets mit Rat und vor allem Tat zur Seite steht und weiß, dass er gegen meinen Dickkopf nicht ankommt. Herzlicher Dank gilt auch unseren lieben Gastgebern, sowie Silke, Peter und Christian für die tolle Organisation. Außerdem möchte ich mich bei Christina von RidersDeal bedanken für die gute Zusammenarbeit, die aufmunternden Worte vor dem Ritt und die tolle Ausstattung dafür. Ohne eure Schuhe wäre es mir wirklich nicht möglich gewesen mitzureiten. Die neue Reithose hat mich absolut überzeugt und die Reithandschuhe und die Softshell-Jacke haben mir ausgezeichnete Dienste erwiesen.

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