Warum nach zwei Haflingern ein Fjordpferd Teil unserer Familie wurde…
Wie ihr wisst, liebe ich Haflinger über alles. Und eigentlich hätte ich selbst gedacht, dass an meiner Seite immer ein Haflinger stehen würde.
Zuerst war da Sissy.
Meine gelassene Haflingerstute, die mich lange begleitet hat und mit der so viele Erinnerungen verbunden sind. Mit ihr bin ich aufgewachsen und sie hat mich bis ins Erwachsenenalter begleitet. Sie war eine Seele von Pferd. Als Sissy verstorben ist, hinterließ sie eine riesige Lücke.

„Sissy überrascht mich völlig unerwartet mit einem Galopp in der Bahn. Für mich das wundervollste Geschenk überhaupt!“ Sie tat sich damit nämlich immer schwer und war ein Geländepferd durch und durch. Foto: Haflinger Austria
Dann kam Rabella.
Wieder ein Haflinger. Aber nicht als Ersatz für Sissy – denn ein Pferd lässt sich nicht ersetzen. Rabella war Rabella. Mit ihrem eigenen Charakter und ihrer ganz eigenen Art, einen Platz in meinem Herzen einzunehmen. Ich nenne sie immer meinen Engel, denn sie war das unkomplizierteste Pferd, das ich je kennengelernt habe. Leider ist sie viel zu früh verstorben.
Und plötzlich war sie wieder da, diese Leere. Aber auch so viel Schmerz.

Nur dieses Mal wusste ich eines ganz genau:
Ich kann keinen Haflinger mehr nehmen.
Das klingt für jemanden, der Haflinger liebt und sogar einen Blog namens „Haflinger Austria“ hatte, wahrscheinlich ziemlich absurd.
Aber genau so fühlte es sich damals an.
Sissy und Rabella waren zwei so besondere Pferde für mich. Nach Rabellas Tod war allein der Gedanke daran, wieder nach einem Haflinger zu suchen, unglaublich schwer. Denn eigentlich hätte ich Rabella am liebsten wieder hergezaubert.
Es hätte sich für mich angefühlt, als würde ich einfach den nächsten Haflinger holen.
Als wären sie austauschbar.
Natürlich wusste ich rational, dass das nicht so ist. Kein Pferd ersetzt ein anderes. Auch Rabella hatte Sissy nie ersetzt.
Aber Gefühle sind nicht immer rational.
Ich war einfach traurig.
Also stand für mich fest: Wenn ich wieder den Mut fasse, ein Pferd zu mir zu holen und mein Herz zu öffnen, dann konnte es zu diesem Zeitpunkt einfach kein Haflinger sein.
Und damit begann ein kleines Problem.
Bitte keinen Haflinger. Aber möglichst wie ein Haflinger.
Denn während ich keinen Haflinger mehr wollte, wusste ich gleichzeitig ziemlich genau, was ich an Pferden mag: Haflinger – und Pferde, die zumindest ein bisschen so sind wie Haflinger.
Und vieles davon führte mich wieder verdächtig nahe zum Haflinger.
Ich wollte kein riesiges Pferd. Ich mag robuste Pferde, einen gewissen Ponycharakter und Pferde, mit denen man möglichst vielseitig unterwegs sein kann. Keine hochspezialisierten Sportler, sondern Pferde, die für vieles zu begeistern sind und mit denen man gemeinsam die unterschiedlichsten Dinge erleben kann.
Im Grunde suchte ich also etwas, das möglichst viele Eigenschaften mitbrachte, die ich am Haflinger schätze.
Nur eben ohne Haflinger zu sein.
Wobei ich eines gleich dazusagen muss:
Haflinger sind einzigartig.
Wer einmal sein Herz an sie verloren hat, weiß wahrscheinlich, was ich meine.
Und trotzdem bin ich schließlich bei einer Pferderasse „hängen geblieben“, die ziemlich viele Punkte auf meiner gedanklichen Wunschliste erfüllte:
dem Fjordpferd.
Und plötzlich waren da die Norweger
Fjordpferde kannte ich natürlich schon vorher.
Diese kräftigen kleinen Norweger mit ihrer charakteristischen zweifarbigen Mähne, dem Aalstrich und diesem unverwechselbaren Aussehen kann man schließlich kaum übersehen.
Je mehr ich mich mit ihnen beschäftigte, desto interessanter wurden sie für mich.
Robust.
Ursprünglich.
Kompakt.
Vielseitig.
Und mit ordentlich Pony im Kopf.
Das könnte passen.
Aber wenn schon kein Haflinger, dann durfte das neue Kapitel ruhig auch wirklich anders aussehen. Wie es der Zufall wollte, wurde es ein Fjordpferd in der Sonderfarbe Grau.
Ich wusste vorher nicht einmal, dass es graue Fjordpferde überhaupt gibt.
Und dann fand ich Vilda, unsere graue Maus. Wobei mir die Farbe völlig egal war.
Kein klassischer Haflingerfuchs mit heller Mähne. Und auch kein Fjordpferd in der Farbe, die die meisten Menschen spontan mit einem Norweger verbinden.
Sondern grau.
Vilda war damals gerade einmal zwei Jahre alt.
Und mit ihr wagte ich meinen Neustart.

Ein junges Pferd – und plötzlich war alles offen
Im Nachhinein war es vielleicht genau das, was ich damals gebraucht habe.
Mit einem zweijährigen Pferd bekommt man kein „fertiges“ Pferd. Man bekommt keine Garantie dafür, wie sich alles entwickeln wird. Man beginnt ziemlich weit vorne.
Vertrauen aufbauen. Sich kennenlernen. Gemeinsam Alltag erleben. Herausfinden, was dem Pferd leichtfällt, was ihm schwerfällt und welche Persönlichkeit eigentlich in diesem jungen Pferd steckt.
Es gab dadurch auch gar nicht die Erwartung, dass Vilda irgendetwas genauso machen sollte wie Rabella oder Sissy.
Sie konnte es gar nicht.
Sie war jung. Sie war ein Fjordpferd. Und vor allem war sie einfach Vilda.
So entstand unsere gemeinsame Geschichte nicht dadurch, dass sie eine vorhandene Rolle übernahm. Wir mussten uns unsere eigene erst erarbeiten.
Und vielleicht liegt genau darin etwas Schönes am Leben mit Pferden: Wir suchen uns zwar ein Pferd aus, lesen über Charaktereigenschaften und haben Vorstellungen davon, was zu uns passen könnte. Am Ende zieht aber keine Rasse bei uns ein.
Es zieht ein Individuum ein.
Haflinger und Fjordpferd – ähnlich und doch ganz anders
Natürlich gibt es Dinge, bei denen ich meine Entscheidung für ein Fjordpferd heute gut nachvollziehen kann.
Vilda bringt vieles mit, was ich an robusten Pferderassen liebe. Sie ist kompakt, vielseitig und für unglaublich viele Dinge zu begeistern.
Aber spätestens im Alltag wurde mir auch klar:
Ein Fjordpferd ist eben kein Haflinger in einer anderen Farbe.
Und das ist gut so.
Vilda hat beispielsweise einen Arbeitswillen, der mich immer wieder beeindruckt. Wenn sie verstanden hat, was ihre Aufgabe ist, ist sie mit einer Begeisterung dabei, bei der eher mir die Energie ausgeht als ihr.
Sie ist gefühlt nicht müde zu bekommen.
Dieses Pferd möchte etwas tun. Sie möchte mitdenken, beschäftigt werden und Aufgaben haben. Sie ist super schlau und braucht eine Aufgabe. Sie liebt es zu lernen und mitzudenken.
Sie bringt mich dazu voraus zu denken. Dies habe ich bei Sissy schon ziemlich gut gelernt und auch Vilda braucht dieses „Vorausdenken“ in der Arbeit. Sie nimmt Hilfen gut an und braucht diese auch.
Nicht das Pferd von damals suchen
Vielleicht ist das überhaupt eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus den vergangenen Jahren mitgenommen habe. Wenn wir ein besonderes Pferd verloren haben, suchen wir manchmal unbewusst genau dieses Pferd wieder. Den gleichen Charakter. Das gleiche Gefühl. Die gleiche Verlässlichkeit. Vielleicht sogar dieselbe Rasse und dieselbe Farbe.
Aber dieses eine Pferd gibt es kein zweites Mal.
Ich werde keine zweite Sissy finden.
Und ich werde keine zweite Rabella finden.
Das ist traurig – aber gleichzeitig nimmt diese Erkenntnis einem neuen Pferd auch eine große Last.
Denn Vilda muss keine von beiden sein.
Sie muss nicht so ruhig sein wie Sissy.
Sie muss nicht so unkompliziert sein wie Rabella.
Sie darf ihre eigenen Stärken haben. Ihre eigenen Macken. Ihre eigenen Herausforderungen.
Und sie darf mir Dinge beibringen, die mir meine Haflinger vielleicht nie beigebracht hätten.
Ein neues Pferd ersetzt kein altes
Heute finde ich genau diesen Gedanken besonders schön.
Der Wechsel vom Haflinger zum Fjordpferd bedeutet nicht, dass meine Haflingerzeit vorbei oder weniger wichtig geworden ist.
Ganz im Gegenteil.
Sissy gehört zu meiner Geschichte.
Rabella gehört zu meiner Geschichte.
Und meine Liebe zu Haflingern gehört ebenfalls zu mir.
Heute habe ich eines gelernt: Man muss ein verstorbenes Pferd nicht loslassen, indem man versucht, alles zu vergessen, was mit ihm verbunden war.
Vielleicht geht es ohnehin weniger ums Loslassen. Vielleicht geht es vielmehr darum, Erinnerungen mitzunehmen und trotzdem wieder Platz für etwas Neues zu schaffen.
Ein neues Pferd muss nicht die Aufgabe bekommen, eine entstandene Lücke zu schließen.
Es darf seinen eigenen Platz bekommen.
Ich brauchte nach Rabella nicht „noch einmal dasselbe“. Sie ist für mich bis heute ein Haflinger, wie er nicht besser hätte sein können.
Was ich brauchte, war die Möglichkeit, mich auf etwas Neues einzulassen.
Und genau das habe ich mit Vilda bekommen.
Was Pferde uns über Neuanfänge beibringen
Wenn ich heute zurückblicke, finde ich es spannend, dass ausgerechnet die Entscheidung „Ich möchte keinen Haflinger“ mich zu einem Pferd geführt hat, das mich nun schon rund 5 Jahre begleitet.
Damals war diese Entscheidung vor allem von Trauer geprägt.
Heute sehe ich darin auch einen Neuanfang.
Und Neuanfang bedeutet eben nicht, dass vorher alles abgeschlossen, vergessen oder nicht mehr wichtig sein muss.
Man kann ein Pferd vermissen und ein anderes lieben.
Man kann mit Wehmut zurückblicken und sich gleichzeitig über das freuen, was heute ist.
Das eine nimmt dem anderen nichts weg.
Vielleicht wächst unser Herz mit jedem besonderen Pferd einfach ein Stück weiter.
Vom Haflinger zum Fjordpferd
Und damit bekommt auch dieser alte Blog ein unerwartetes neues Kapitel.
Ausgerechnet „Haflinger Austria“.
Ein Blog, der einmal rund um meine Haflinger entstanden ist – und auf dem es nun plötzlich auch um ein graues Fjordpferd gehen wird.
Eigentlich passt das aber ziemlich gut.
Denn die Haflinger verschwinden deshalb nicht aus meiner Geschichte.
Ohne Sissy und Rabella wäre ich vermutlich heute nicht die Pferdeliebhaberin, die ich bin. Viele meiner Erfahrungen, Gedanken und Einstellungen rund ums Pferd sind mit ihnen entstanden.
Vilda führt diese Geschichte nicht weiter, indem sie ihren Platz einnimmt.
Sie schreibt ihr eigenes Kapitel dazu.
Mit einer neuen Rasse.
Einer völlig eigenen Persönlichkeit.
Neuen Erfahrungen.
Neuen Herausforderungen.
Und ziemlich viel Energie.
Denn eines habe ich inzwischen mehr als einmal festgestellt:
Okay. Das ist jetzt definitiv kein Haflinger.
Das ist ein Fjord.
Arbeitswillig ohne Ende, für fast jeden Spaß zu haben und gefühlt nicht müde zu kriegen.
Das ist Vilda:

Unsere graue Maus.
Ein Fjordpferd, das von Anfang an seine ganz eigenen Spuren hinterlassen durfte.
