Schwalben: Rückkehr der fliegenden Glücksbringer

Es war Ende März, da zwitscherten die ersten Rauchschwalben wieder am Himmel und kündigten den Frühling an. Es dauert nicht lange und sie bezogen ihre alten Nester in den Stallungen.

„Rauchschwalben gelten, wie auch Mehlschwalben, als sehr ortstreu und besetzen ihre alten Nester jedes Jahr wieder von Neuem.“ so Janette Siebert von der Österreichischen Vogelwarte – Außenstelle Seebarn am Wagram (NÖ) der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Sie koordiniert das „SchwalbenNESTwerk“ – ein Citizen Science Projekt, das gemeinsam mit der Bevölkerung von Niederösterreich die Bestände von Rauch- und Mehlschwalben erforscht.

„Früher konnten wir die beiden Schwalbenarten in fast jedem Ort beobachten“, so Janette Siebert weiter, „heute sind viele der Nester verlassen und große Kolonien eher zur Seltenheit geworden.“

Rauchschwalbe, Foto: Psubraty_pixabay.com

Rauchschwalbe, Foto: Psubraty_pixabay.com

Warum werden es immer weniger Schwalben?“ haben wir uns gefragt. Im Pferdestall sind sie häufig zu Gast.  Wir haben nachgefragt. Hier findet ihr das ganze Interview mit Schwalbenexpertin Janette.

Dort, wo es noch Pferde- oder Nutztierhaltung gibt, finden wir auch teils große Kolonien von Rauch- und Mehlschwalben. Erfreulicherweise werden es an diesen Standorten seit ein paar Jahren auch wieder mehr Nester, die wir zählen. Dort, wo es aber keine Pferde-, Rinder- oder Schweinehaltung mehr gibt, werden auch die Schwalben immer weniger, bis die Vögel den Standort zur Gänze aufgeben. Sie finden nicht mehr ausreichend Nistmaterial und Nahrung. Auch die Renovierung von Stallungen oder gar der Abriss der Gebäude, bringt die ortstreuen Vögel in Wohnungsnot. Von dem Rückgang des Insektenreichtums einmal abgesehen.

Wie schaut die Arbeit des SchwalbenNESTwerkes denn aus?

Im SchwalbenNESTwerk arbeiten wir an der Österreichischen Vogelwarte eng mit unseren Bürgerwissenschaftler/-innen (= Citizen Scientists) zusammen. Werden Nester von Rauch- oder Mehlschwalben entdeckt, so melden uns dies unsere Citizen Scientists über die Projektseite www.wildenachbarn.at. So wissen wir, wo welche Schwalbenart vorkommt und auch, wie viele Nester aktuell besetzt sind. Der Hauptfokus der Beobachtungszeit liegt bei Rauchschwalben zwischen Anfang Mai bis Mitte Juni – bei Mehlschwalben auf den Zeitraum von Anfang Juni bis Ende Juli. Während dieser Zeit sind besetzte und unbesetzte Nester besonders gut zu unterscheiden und es ergibt sich ein klares Bild über die tatsächliche Größe der Kolonien.

„Woher weiß ich denn, welche Schwalbenart bei mir brütet?“ 

Eine gute Frage! Rauchschwalben werden nicht ohne Grund auch „Stallschwalben“ genannt. Sie bauen ihre halboffenen Nester bevorzugt in Stallungen, Scheunen oder größeren Hallen. Mehlschwalben hingegen bauen ihre bis auf ein kleines Einflugloch geschlossenen Nester an Fassaden und Wänden außerhalb von Gebäuden. Häufig findet man sie direkt unterhalb des Daches. Beide Schwalbenarten bauen ihre Nester aus tausenden von Lehmkügelchen, für die sie viele Male hin- und herfliegen müssen. Unser Team hilft aber natürlich immer gerne, wenn sich jemand nicht ganz sicher ist, welche Schwalbenarten denn das Nest gebaut hat.

Wir finden, das klingt alles sehr spannend! „Wie können wir denn mitmachen beim SchwalbenNESTwerk?“

Mitmachen ist ganz einfach! Wurde ein Schwalbennest entdeckt, dann bitten wir die Beobachter/-innen immer dies über unsere Projektseite zu melden. Bei der Meldung kann dann die Schwalbenart angegeben werden und auch, ob und wie viele Nester gerade besetzt sind. Auch, wenn es bei jemanden einmal Schwalben gab, diese nun aber nicht mehr wieder kommen, ist das für uns sehr interessant! Wir erforschen die Verbreitung der beiden Schwalben über mehrere Jahre und erhalten dadurch einen noch besseren Einblick über deren Verbreitung. Ein Nest gilt als besetzt, wenn beispielsweise ein Nestbau stattfindet, ein Nest frische Kotspuren aufweist, erwachsene Schwalben ein- und ausfliegen (z.B. zum Füttern) oder auch Jungvögel hör- und sehbar sind im Nest. Natürlich stehen wir auch gerne unterstützend bei Fragen zu Seite.

Forschung kann also so einfach sein! Auch wir werden Augen und Ohren offen halten uns sagen Danke für das nette Interview!

Janette Siebert arbeitet an der Österreichischen Vogelwarte und koordiniert seit 2020 das „SchwalbenNESTwerk“ in Niederösterreich. Fragen zum Projekt oder zu den beiden Schwalbenarten, können an [email protected] geschickt werden.

 

Beitragsbild: Rauchschwalbe, MarkHintsa_flickrcom_CCBY2_0

Ähnliche Beiträge

Ein Herz für Edelweiß Wir möchten euch vom Pferdegnadenhof Edelweiß erzählen. Viele von euch haben ihn bereits bei den Haflinger-Austria Spendenaktionen, wie den Charity-St...
Elena hat einen Traum: Die Österreichische Meister... Die 17-jährige Elena-Victoria Gschnitzer aus Tirol hat ein ganz besonderes Ziel im Visier: Sie will mit ihren Hafis zur Bundesmeisterschaft Dressur 20...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.