Hufrehe – Auf was muss man achten?

Rebecca H. I Pferdegesundheit.  Hufrehe ist ein sehr komplexes Thema, mit dem ich leider selbst schon konfrontiert wurde. Als erstes möchte ich euch mal erklären, was Hufrehe eigentlich ist und welche Arten es gibt.

Was ist Hufrehe?
Hufrehe (Fachbegriff: Laminitis) ist eine Entzündung der Huflederhaut, der Verbindungsschicht zwischen Hufbein und Hornkapsel. Das könnt ihr euch sehr vereinfacht so vorstellen, als wäre auf dem Knochen (Hufbein, Strahlbein, Kronbein) ein Schuh gestülpt (Hufkapsel, ein Horngebilde), beides wird durch die Huflederhaut miteinander verbunden. Die Huflederhaut ist also wie ein „Klettverschluss“, der Knochen und Hornschuh fest aber gleichzeitig flexibel miteinander verbindet. Wenn jetzt diese „Klettverschluss“-Schicht (Aufhängeapparat des Hufes) entzündet, spricht man von Hufrehe.

Röngtenbild Haflingerstute Lina. Am Bild erkennt man die Rotation. Foto: Rebecca H.

Hufrehe Arten

Je nach Ursache bzw. Auslöser sind die folgenden die bekanntesten:

  • Futterrehe
  • Belastungsrehe
  • Geburtsrehe
  • Vergiftungsrehe
  • Hungerrehe
  • EMS oder ECS können auch für die Entwicklung von Hufrehe verantwortlich sein.

Fütterung bei Rehe: DO’s and DON’TS

  • Mein Pferd darf Heu (am besten aus dem Heunetz), bisschen Stroh, Mineralfutter und Kräuter fressen.
  • Mein Pferd darf keine leicht verdaulichen Kohlenhydrate (Getreide, Mais etc.), kein fruktanhaltiges Gras (geringe mengen bis gar kein Gras), keine Küchen- und Gartenabfälle, keine stark zuckerhaltigen Futtermittel und keine ansäuernden Futtermitte (Heulage/Silage etc.).

Weidegang bei Rehe

Ein Pferd mit der Vorerkrankung Hufrehe (auch EMS oder Cushing) aufs Gras zustellen ist eine Gewissensfrage. Hundertprozentige Sicherheit vor einem erneuten Reheschub gibt es leider nicht. Wenn man sein Rehepferd auf die Weide stellen will, ist eine Fressbremse sinnvoll und würde ich jedem raten! Ansonsten gibt es nur die Möglichkeit sein Pferd auf ein Paddock zu stellen und auf den Tag verteilt Heu zu füttern!

Hat das Pferd grundsätzlich grünes Licht für die Weide bekommen, sollte man das Pferd behutsam ans Gras gewöhnen. Zum Anweiden eignen sich Ende Juni und Juli besser als das Frühjahr, da dann die Fruktangehalte im Gras niedriger sind. Starten sollte man 15 Minuten und dann langsam steigern – Schritt für Schritt, am besten durch tägliche Anweiden und eine langsame und sanfte Steigerung. Fressbremse dabei aber bitte nicht vergessen!

Ein bewusster Umgang mit dem Thema Weide und Fütterung ist das A und O. Foto: Rebecca H.

Welche Weiden sind besser?

Fürs erste Grasen sind überständige Weiden, wo die Pflanzen schon etwas getrocknet sind. „Fruktanärmer“ sind auch Pflanzen, die schon Blüten und Samen tragen. Weiters sollte man auch das Wetter und die Temperaturen im Auge behalten.
Abgegraste Weiden sollten immer gemieden werden! Abgefressenes oder kurz gemähtes Gras ist gestresst und bunkert hohe Mengen Fruktan und zwar vor allem im Stängel. Je höher eine Pflanze ist, desto mehr Fasern und desto weniger Nährstoffe enthält sie.
Kurze Halme sind dementsprechend also riskanter als überständige Gräser!

Wann ist Grasen am sichersten?

Verschiedene Untersuchungen zeigen: Im Mai und Juni ist der Fruktangehalt hoch. Im August relativ nieder. Im Herbst beginnen die Werte wieder zu steigen. Kritisch wird es vor allem bei Frost und dementsprechenden kalten Nächten.

  • Frostiges oder kaltes Wetter (unter 5°C) und Sonnenschein: Das Gras wächst nicht, speichert aber massiv Fruktan ein → damit geht eine sehr hohe Rehegefahr einher!
  • Warmes Wetter (über 20°C), bedeckter Himmel: Das Gras wächst, speichert dabei kaum Fruktan → das bedeutet eine geringe Rehegefahr!
  • Warmes Wetter, Sonnenschein, massive Trockenheit: Gras wächst kaum, Fruktanspeicher werden gefüllt → erhöhte Rehegefahr!
  • Warmes Wetter, Sonnenschein, genug Feuchtigkeit: Gras wächst, Fruktanspeicher abgebaut → geringe Rehegefahr (Wichtig: ab Mittag füllt sich der Fruktanspeicher wieder)!

Fressbremse

Laut US-Studie landet mit Fressbremse rund 30% weniger Gras im Pferdemagen. Ältere Studien gehen von 70-80% aus. Je nach Fressbremse variieren die Zahlen allerdings, da jedes Modell ein anderes Konzept hat und unterschiedlich große Löcher haben. Nach 4-6 Stunden sollte man die Pferde von den Weiden nehmen, denn länger sollten sie die Fressbremse nicht tragen.

Wir wünschen euch einen schönen Sommer ohne Reheschübe und Stoffwechselentgleisungen, eure Rebecca und Alina!

Quellen:

Cavallo, 2021, So grasen Pferde mit EMS, Cushing oder Hufrehe sicher

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