Wechselhaftes Wetter: Kolikgefahr?

Fast jedes Pferd hat im Laufe seines Lebens eine Kolik, so heißt es. Sissy hatte vor Kurzem ihre erste Kolik, noch nie zuvor hatte sie Probleme damit. Sie hat zwar Probleme mit dem Magen, aber Kolik hatten wir vorher noch nie. Das Wetter ist in letzter Zeit besonders wechselhaft, mal heiß, mal kalt und so ist es wohl zur Kolik gekommen. Aber was ist das eigentlich und warum schlägt wechselhaftes Wetter oft auf den Magen?

Heute alles zum Thema Kolik und Magen. Foto: Haflinger Austria

Heute alles zum Thema Kolik und Magen. Foto: Haflinger Austria

Kolik bezeichnet keine spezifische Krankheit, sondern eine allgemeine Fehlfunktion des Magen- und Darmtraktes. Wenn ein Pferd an einer Kolik erkrankt, kommt es vor allem darauf an, möglichst schnell zu reagieren. Zum Glück wurde ich gleich angerufen und Sissy schon als ich noch nicht da war, gut versorgt. Der Tierarzt kam kurz darauf.

Grundsätzlich handelt es sich bei einer Kolik um eine Erkrankung des Verdauungstraktes, welche durch mehrere verschiedene Ursachen herbeigeführt werden kann. Die Anatomie des Pferdeverdauungssystems begünstigt die Krankheit, wodurch das häufige Auftreten einer Kolik erklärbar wird.

Ursachen
Gaskolik, Krampfkolik, wetterbedingte Kolik, Dünndarmverdrehung und Allergien sind häufige Ursachen. Generell gibt es davon viele für eine Kolik, was es teilweise sehr schwierig machen kann, die genaue Ursache heraus zu finden. Besonders häufig wird eine Kolik durch Überfressen ausgelöst, so hört man immer wieder von ausgebrochenen Pferden, die sich in der Futterkammer reichlich bedient haben. Gierige Pferde nehmen eine übermäßige Menge an Futter auf und es entsteht eine Magenüberladung. Der Magen überdehnt sich und das Pferd hat starke Schmerzen. Eine solche Überdehnung kann auch durch eine Aufgasung im Dickdarm eintreten.

Die häufigste Kolik-Art wird aber nicht durch falsche Fütterung, sondern durch psychischen Stress hervorgerufen. Dies kann beispielsweise dann auftreten, wenn das Pferd bei vielen Turnieren teilnimmt, den Strapazen langer Transporte ausgesetzt ist oder den Stall und damit die Umgebung wechseln muss, oder in der Herde oder im Training viel Stress ausgesetzt ist. Bei dieser „Krampfkolik“ sind die Muskeln im gesamten Bauchbereich verkrampft und lösen daher starke Schmerzen aus.

Besonders im Frühjahr, wenn es mal heiß und mal kalt ist, wird der Kreislauf beansprucht. Erschwerend hinzu kommt dann noch der Fellwechsel. Das kann für ein Pferd alles sehr viel sein. Foto: Haflinger Austria

Besonders im Frühjahr, wenn es mal heiß und mal kalt ist, wird der Kreislauf beansprucht. Erschwerend hinzu kommt dann noch der Fellwechsel. Das kann für ein Pferd alles sehr viel sein. Foto: Haflinger Austria

Neben dem psychischen Stressfaktor kann diese Krampfkolik auch durch eine Überaufnahme von kaltem Wasser herbei geführt werden. Eine weitere und häufige Form ist die „wetterbedingte Kolik“ und wird durch einen plötzlichen Wetterumschwung verursacht. Von den veränderten Temperaturen wird der Kreislauf des Pferdes schwach und damit verlangsamt sich auch der Verdauungstrakt. Damit können die einzelnen Organe nicht mehr schnell genug die aufgenommenen Futtermengen verdauen, was im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss führen kann. Eine der schlimmsten Formen der Kolik ist die „Dünndarmverdrehung“. Die Verdrehung des Darmes wird durch die Anatomie des Pferdes begünstigt und vor allem Fohlen sind von dieser Form der Kolik betroffen. Die hier auftretenden Symptome sind besonders heftig.

Besonders schwierig wird es im Fall einer allergischen Reaktion auf bestimmte Futtermittel. Betroffene Pferde leiden beinahe unter einer „dauerhaften“ Kolik, deren Ursache oft erst sehr spät gefunden wird. Eine Kolik ist also sehr komplex und nicht immer kann herausgefunden werden, was die Ursache war.

Anzeichen
Die Anzeichen für eine Kolik sind flehmen, gegen den Bauch treten, unruhige Bewegungen und das Scharren mit den Vorderbeinen. In diesem Fall sollte man sofort reagieren. In schweren Kolikfällen kann es sein, dass das Pferd heftig und stoßweise atmet, der Puls eine stark erhöhte Frequenz hat und das Pferd stark schwitzt. Außerdem kommt das Verlangen hinzu, sich hinzulegen oder sich in die Hundestellung zu setzen. Eine Kolik ist ein Notfall. Bitte ruft in diesem Fall immer einen Tierarzt.

Bei Magenproblemen beobachte ich bei Sissy auch immer vermehrtes Gähnen, Leerkauen und sie stellt sich dann meist in eine leicht gestreckte entlastende Postion und entlastet damit ihren Magen.

Maßnahmen
(Anzeige) Zu den Sofortmaßnahmen zählen das sofortige Entfernen von Futter und Stroh und das Führen des Pferdes alle halbe Stunden für fünf Minuten im Schritt. Die Bewegung fördert die Darmaktivität und entkrampft die Muskeln. Ist der Kreislauf schwach können Kreislauftropfen gegeben werden. Sobald der Tierarzt eingetroffen ist, wird er mit den Untersuchungen beginnen und die erforderlichen Medikamente verabreichen und die Behandlung beginnen. Sissy ging es nach der tierärztlichen Versorgung schon relativ gut, wir sind dann noch etwas auf und ab marschiert und danach kam sie ohne Futter in ein abgetrenntes Paddock. Danach wurde wieder langsam mit der Futteraufnahme begonnen.

Leinsamen und Mash können bei empfindlichen Pferden eine sinnvolle Futterergänzung sein. Foto: Haflinger Austria

Leinsamen und Mash können bei empfindlichen Pferden eine sinnvolle Futterergänzung sein. Foto: Haflinger Austria

Da Sissy auch Magenprobleme hat, wenn sie Stresssituationen ausgesetzt ist, habe ich ihr nachfolgend Leinsamen bei Equus Vitalis bestellt. Diese bekommt sie jetzt schleimig aufgekocht für ihren Magen, man könnte sie aber auch ungekocht verabreichen. Es gibt hier Unterschiede bei den Produkten, manche Leinsamen muss man aufkochen, andere sind so aufbereitet, dass sie direkt verabreicht werden können. Grundsätzlich sollten Leinsamen, wenn sie für den Magen verabreicht werden aber schön schleimig sein, also kommt da bei mir noch ordentlich heißes Wasser rauf. Ich hab mich für das Königslein entschieden, denn es ist eine verbrauchsfertige Mischung. Die Schleimstoffe der Leinsamen überziehen die Schleimhaut von Magen und Darm mit einer schützenden Schicht und können im Darm Wasser binden.

Bei gesundheitlichen Problemen, bei Senioren aber auch an schwülen, heißen Sommertagen kann Weißdorn zum Einsatz kommen. Er stärkt Herz und Kreislauf, die Pferde fühlen sich wohler. Foto: Haflinger Austria

Bei gesundheitlichen Problemen, bei Senioren aber auch an schwülen, heißen Sommertagen kann Weißdorn zum Einsatz kommen. Er stärkt Herz und Kreislauf, die Pferde fühlen sich wohler. Foto: Haflinger Austria

Außerdem bekommt sie nun aufgrund der wetterbedingten Kolik Weißdornblüten zum Futter, auch diese sind von Equus Vitalis, denn die herkömmlichen Tropfen aus der Apotheke enthalten Alkohol und das wird von Sissys Magen nicht so gut vertragen. Bei gesundheitlichen Problemen, bei Senioren aber auch an schwülen, heißen Sommertagen kann Weißdorn zum Einsatz kommen. Er stärkt Herz und Kreislauf, die Pferde fühlen sich wohler. Weißdorn braucht allerdings einige Zeit bis er seine Wirkung zeigt. Wir haben uns für die Weißdornblüten von Lexa entschieden. Ich mach dabei einen Aufguss und übergieße die Kräuter mit heißen Wasser und gebe es nach dem Abkühlen und Ziehen lassen übers Futter.

Mash kann Koliken vorbeugen und regt die Verdauung an. 1 bis 3 mal wöchentlich oder für Zwischendurch wird es empfohlen. Foto: Haflinger Austria

Mash kann Koliken vorbeugen und regt die Verdauung an. 1 bis 3 mal wöchentlich oder für Zwischendurch wird es empfohlen. Foto: Haflinger Austria

Zusätzlich haben wir jetzt ein Mash mit krampflösenden Kräutern, das wir im Notfall nach einer überstandenen Kolik unterstützend verabreichen können. Einfach zur Sicherheit 😉 Wir haben uns für das Starhorse Golden Kräuter-Mash entschieden. Das beugt Koliken vor, wirkt kampflösend und regt die Verdauung an. Verabreicht wird es bei mir nur Zwischendurch in Ausnahmefällen, wenn ich das Gefühl habe, ich muss sie bei der Verdauung unterstützen, da Sissy ja sehr leichtfuttrig ist. Tipp: Ich geb jetzt übrigens faustgroße Steine mit ins Futter, damit sie nicht mehr so schlingt. Außerdem werden wir in Kürze mit einer Darmsanierung starten, aber das erzähl ich euch ein anderes Mal.

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